Entwicklungszusammenarbeit – Komplexes Aufgabengebiet der Geographie
Eine wichtige Teildisziplin der Geographie ist die Entwicklungsländerforschung. Die Arbeitsbereiche reichen von Machbarkeitsstudien, der Projektentwicklung, der Durchführung bis hin zur Evaluation der unternommenen Maßnahmen.
Die Frage wie und ob die lokale Bevölkerung an Projekten der Entwicklungszusammenarbeit partizipieren kann und diese den Bedürfnissen der Menschen auch tatsächlich entsprechen ist dabei eine der spannendsten Fragen.
Ein Beispiel mag dies verdeutlichen. Mit erheblicher deutscher Unterstützung wurden in Namibia zahlreiche Straßenbauprojekte vorangetrieben, da man allgemein davon ausgeht, dass nur eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur eine positive wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht und das die positiven Effekte eines wirtschaftlichen Aufschwunges nach und nach auch die ländliche Bevölkerung entlang solcher Entwicklungskorridore erreicht und deren Lebenssituation nachhaltig verbessert.
Während eines Forschungsaufenthaltes im Caprivi Strip im Nordosten Namibias sollte diese Frage geklärt werden. Der Ausbau des Caprivi Highways (B8) wurde im Jahre 2005 auf seiner kompletten Länge beendet. Nun ist der Highway vollständig mit einer neuen Fahrbahndecke ausgestattet, sodass sich die Strecke von Rundu nach Katima Mulilo an der zambischen Grenze wesentlich schneller bewältigen lässt. Im weiteren Verlauf dieser Fernstraße wurde im Mai 2004 auch die Brücke über den Zambesi bei Katima fertiggestellt und die Straße nach Livingston einer gründlichen Sanierung unterzogen. Damit steht die Vollendung eines der größten Verkehrskorridore von Walfish Bay an der Küste Namibias bis Dar el Salam kurz vor der Vollendung.
Bereits im Jahr 2005 konnte ein Anstieg der Grenzübertritte von LKWs von Zambia nach Namibia und umgekehrt registriert werden. Und auch der Individualverkehr scheint sich mit der neuen Straßenverbindung zu erhöhen.
Für die lokale Bevölkerung ändert dies indes wenig. Die sinkenden Transportkosten sorgen in der entlegenen Region Caprivi dabei sogar ehr für eine gegenteilige Entwicklung. Günstigere Transporte führen zu einer Erhöhung des wirtschaftlichen Drucks auf örtliche Unternehmen. Erste Unternehmensschließungen untermauern diesen Trend. Und auch der Versuch, neue Unternehmen in der Region Caprivi anzusiedeln, zeitigt bis heute keinen Erfolg.
Damit bleibt die Bevölkerung auch weiterhin von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Befragungen in den Dörfern des Caprivi entwarfen dann auch rasch ein anderes Bild dessen, was die Menschen wirklich brauchen. Die am häufigsten genannten Probleme waren Wasser und Hunger. Beim Ausbau des Highways hat man auf eine gleichzeitige Installation begleitender Versorgungsinfrastruktur verzichtet. So müssen immer noch alle Gemeinden entlang des Highways ohne Strom und fließendes Wasser auskommen. Dabei existiert bereits eine Rohrleitung zwischen Katima Mulilo und Kongola die im Jahre 2000 für den Bau des Highways angelegt wurde, deren Zustand aber mittlerweile so marode ist, dass nur sporadisch Wasser in die Leitung gepumpt werden kann.
Ob ein alleiniger Ausbau von Verkehrsinfrastruktur also als ein Allheilmittel angesehen werden darf muss bezweifelt werden. Entwicklungszusammenarbeit ist eine komplexe Aufgabe der Geographie und wird auch in den nächsten Jahren immer neue Strategien erfordern, um das Leben benachteiligter Bevölkerungsgruppen nachhaltig zu verbessern.
Geschrieben von Ronny Schmidt



