Die Geschichte des Bikinis
Wer schon einmal mit offenen Augen am Strand entlang spaziert ist oder auch im Freibad nicht gänzlich unaufmerksam am weiblichen Geschlecht vorbeigegangen ist, dem wird es mit Sicherheit nicht entgangen sein: Die moderne, modebewusste Frau von heute trägt Bikini. Denn längst hat der Bikini, die zweiteilige Badebekleidung für die Frau, denn Badeanzug nahezu abgelöst. Seit knapp über 60 Jahren schlägt nun der Bikini ein wie eine Bombe. Aber wie hat das Ganze eigentlich angefangen? Wer hat den Siegeszug des Bikinis in Gang gesetzt und wer hat den Bikini zudem gemacht, was er heute ist?
Die Erfindung des Bikinis
Eingeschlagen wie eine Bombe. Das hat der Bikini, in der Form wie wir ihn heute kennen, sprichwörtlich im Jahr 1946 dank des ehemaligen Automechanikers und Modeschöpfers Louis Reard. Verantwortlich für die Namensgebung der vier kleinen Stoffdreiecke- zwei Dreiecke mit einer Kordel verbunden bilden die Hose, während zwei kleine mit einer Kordel verbundenen Dreiecke die Brüste bedecken- war nämlich die erste Atombombentestreihe der Amerikaner in der Nachkriegszeit über dem Bikini-Atoll im Juli 1946. Nach diesen von der Öffentlichkeit mit Schrecken verfolgten Ereignissen war dem knapp geschnittenen Zweiteiler von Reard durch die brisante Namensgebung die gleiche Aufmerksamkeit sicher wie der Zerstörung des Bikini-Atolls. Der Aufschrei, der durch die Modewelt ging, war unüberhörbar, als die Stripteasetänzerin Micheline Bernadini Reards für damalige Verhältnisse gewagte Kreation im Pariser Bad „Piscine Molitor“ erstmals öffentlich vorführte.
Bikini auf Erfolgskurs???
Doch so schnell wie das Geschrei um den gefühlten „Hauch von nichts“ laut geworden waren, so schnell war der Aufschrei um den Bikini wieder verstummt. Die hohen Wellen der moralischen Fassungslosigkeit über dieses exotische; laszive Kleidungsstück hatten Wirkung gezeigt und den Bikini vorerst ganz tief auf den Meeresgrund verbannt. Die Welt war einfach in den 50er Jahren noch nicht reif für den Ausdruck unbeschwerten, freien Badegenuss. Langärmelige Badeanzüge, die gemäß dem vorherrschenden Idealbild der Frau die Taille zur Wespentaille formten und jeden noch so kleinen Busen zu einem prachtvollen Vorbau umgestalteten, waren jetzt angesagt. Einige Frauenmagazine versuchten zwar mit ihrer Berichterstattung ein Comeback des Bikinis zu erreichen. Aber vergeblich.
Ein Bikini für James Bond
Fast schien es so, als würde der Bikini nur noch von einer Minderheit in elitären Kreisen getragen. Bis James Bond sich der Mission „Bikini“ annahm. Oder genauer gesagt die Schauspielerin Ursula Andress. Diese stellte den Bikini im James Bond Film Dr. No wieder zur Schau und sorgte dafür, dass das pikante Kleidungsstück in den Köpfen hängen blieb. Die Modewelt konnte sich dem Phänomen „Bikini“ allmählich nicht mehr hundertprozentig verschließen. Doch man fand schnell eine passende Antwort: Badeanzüge, deren „Oberteile“ andersfarbig oder anders gemustert waren als die „Unterteile“. Die scheinbar perfekte Vortäuschung der Zweiteiligkeit eines Bikinis.
Der Monokini
So leicht soll(t)e der Bikini jedoch nicht von der Bildfläche verschwinden. Das dachte sich wohl auch der österreichische Modemacher Rudi Gernreich und löste mit seinem Monokini-Geniestreich einen Skandal aus. Lediglich mit zwei zusammengebundenen Bändern waren die Brüste bedeckt. Viel nackte Haut, die schließlich für viel Diskussionsstoff bei Moralaposteln wie erzkonservativen Werteverteidigern gleichermaßen sorgte.
Der Bikini als Symbol der Frauen-Emanzipation
So viel man aber auch diskutieren und die Nase über dieses äußerst freizügige und in den Augen vieler unsittliche Badekleidungsstück rümpfen wollte: Der Bikini sollte sich durchsetzen. Sinnlichkeit, unnachahmliches Leichtigkeits- und Freiheitsempfinden, einen Hauch von Erotik sowie modische Eleganz und Bequemlichkeit. All das was der Bikini verkörperte, sollte den Aufbruch der Frauenbewegung tatkräftig unterstützen. Was hätte es besseres geben können: Der Bikini als Symbol für junge Frauen, die in Revolutionen und Demonstrationen aus ihren bürgerlichen Konventionen auszubrechen versuchten.
Der Bikini-Trend geht unaufhörlich weiter
Seit der Bikini mit der Sexuellen Revolution seinen endgültigen Durchbruch geschafft hat, ist er als der „Badedress“ für die Frau nicht mehr aus der Modewelt wegzudenken. Unterschiedliche Modeströme bescheren uns immer neue Varianten und Modelle. Noch mehr Haut zeigen lautet beispielsweise in den USA und Lateinamerika zunehmend die Devise. Microkinis- äußerst knapp geschnittene Bikinis, die gerade noch die Schamlippen verdecken- sind dort derzeit im Trend. Eins ist jedenfalls jetzt schon sicher: Obwohl der Bikini bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat: Das Zeitalter des Bikinis scheint gerade erst richtig begonnen zu haben.
Geschrieben von Ronny Schmidt am 29 Juni, 2008














