Das Neue Geistliche Lied
Seit einiger Zeit hat sich der Begriff “Neues Geistliches Lied”, abgekürzt NGL, für alljenes durchgesetzt, was unter den Begriffen “Rhythmische Lieder”, “Neue Lieder”, “Sacropop” usw. eingeordnet wird. DIese Begriffe sind nicht eindeutig. VIele Stücke überschreiten nämlich die Grenze des “Pop”-Bereiches, die Eigenschaft “rhythmisch” gilt ohnehin für einen Großteil der abendländischen Musik.
Die Bezeichnung NGL wird ihrer Aufgabe insofern relativ gut gerecht, da sie stilistisch keine Grenzen zieht, sondern allein die Entstehungszeit eines Stückes berücksichtigt – ein NGL muß also auf alle Fälle “neu” sein. Ergänzend ist zu sagen, daß viele, aber nicht alle NGL sich stilistisch an jene Musik annähern, die in unserer Zeit von einer breiten Masse konsumiert (nicht aber gemacht!) wird, also eben die “populäre” Musik. Dass Klassische Musik immer wieder Anleihen aus der jeweils aktuellen “Popmusik” genommen hat, ist bekannt, allerdings wurden diese meist nicht zur Hauptsubstanz, sondern blieben Zutat.
Da sich immer mehr beamtete Kichenmusiker mit dieser Materie befassen, weil sie diese zum Teil schon als Jugendliche kennengelernt haben und andererseits auch einige neuere Ausbildungspläne dieses Thema enthalten, ist langsam festzustellen, dass sich das NGL von dem ihm anhaftenden Vorurteil der anspruchlosen und oft geradzu mangelhaften Gestalt und Ausführung zu lösen beginnt. Auch in der Kirchenmusikerschaft schwinden die diesbezüglichen Vorbehalte nicht nur aufgrund des Generationswechsels.
Ebenso setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass so gut wie alle NGL mit einer Orgel begleitet werden können, ohne daß wesentliche Verluste an der musikalischen Aussage zu befürchten wären. Natürlich wird nicht immer eine hohe rhythmische Präsenz und Intensität erreicht, auch wird eine Big Band farbiger als eine Orgel wirken können, ohne daß wesentliche Verluste an der musikalischen Aussage zu befürchten wären. Entscheidet man sich aber für NGL im Gottesdienst, so soll die Ausführung nicht daran scheitern, dass die Big Band eben nicht vorhanden ist und “nur” die Klassik-Pfeifenorgel zur Verfügung steht.
Die Grenzen einer schlüssigen Wiedergabe sind hier mehr durch den Ausführenden gesetzt, weniger durch das Instrument an sich, wenngleich eine zweimanualige Orgel mit Pedal als Mindestanforderung genannt werden könnte. Da NGL oft nur in Melodie und Text verbreitet werden (gelegentlich auch mit Akkordbuchstaben versehen(, ist es speziell im Falle von eingesetzten Instrumental- und Vokalensembles erforderlich, geeignetes Aufführungsmaterial selbst zu erstellen.



