Genie und Wahnsinn in Bulgakovs „Master i Margarita“
An seinem Roman „Master i Margarita“ arbeitete M.A. Bulgakov seit 1928 bis zu seinem Tod mehr als zehn Jahre lang. Dieses Meisterwerk war der Höhepunkt seiner schöpferischen Arbeit. Einige der Gründe dafür, warum die Behörden die Veröffentlichung dieses Romans immer wieder ablehnten, waren die untraditionelle Darstellungsweise der literarischen, künstlerischen Welt in der Sowjetischen Zeit, die in diesem Roman für damalige Zeit fragwürdigen Anspielungen und versteckte Kritik an der sowjetischen Gesellschaft.
Eine wichtige Rolle spielt in diesem Roman der Zusammenhang zwischen dem Phänomen des Genies und dem des Wahnsinns. Die Tragödie der Hauptfigur Master beginnt mit dem Scheitern der Veröffentlichung seines Romans aufgrund seiner religiösen Handlung. Es passiert in der sowjetischen Zeit, als überall der Atheismus verbreitet, viele Kirchen gesprengt und Geistliche erschossen wurden. Zuerst wird Master verhaftet und anschließend geht er freiwillig in die Nervenklinik, weil er den gesellschaftlichen Druck nicht aushält. In der Nervenklinik ist Master wieder zufrieden mit seinem Leben, dort füllt er sich viel sicherer als in der grausamen Realität.
Professor Stravinskij und seine Klinik erfüllen eine wichtige Funktion im Roman. Zusammen mit dem Psychiater erhält die Klinik die Aufgabe einer erziehenden Instanz und dient zur geistigen Säuberung aller, die dort landen. Sie hat die Funktion eines Gefängnisses, was auf die unzähligen Irrenhäuser in den zwanziger und dreißiger Jahren zurückzuführen ist. Viele Menschen, die den damals herrschenden ideologischen Maßstäben nicht entsprachen und daher für die Sowjetische Staatsmacht unerwünscht waren, landeten dort. Geniale Menschen wurden als Wahnsinnige wahrgenommen, ihre inneren Überzeugungen blieben unverstanden und für geisteskrank erklärt. Besonders viele von Ihnen waren Schriftsteller.
Master verkörpert einen Schriftsteller, der für seine Offenheit und Aufrichtigkeit büßen muss, jedoch nicht den Mut hat, sein Werk zu verteidigen, wie es Bulgakov in seinem Leben oft tun musste. Bulgakovs persönliche Tragödie als Schriftsteller bestand darin, dass er immer wieder um die Anerkennung seiner Werke kämpfen musste.
Mit der Darstellung von Wahnsinn und Genie öffnet er dem Leser die Welt der Schriftsteller der 20ger und 30ger Jahre. Seine Überlegungen gelten der Stellung und Bedeutung eines Künstlers innerhalb der Gesellschaft. Er problematisiert die geistige Freiheit des Menschen. Der Künstler ist gezwungen, immer wieder Kompromisse mit der Gesellschaft und Staatsgewalt zu schließen, muss sich oft isolieren, um seine künstlerischen Potentiale zu realisieren. Der Wahnsinn wird zu einem Schutzschild für das Genie und hilft somit Master in sich zu gehen und sich selbst zu begreifen.












