Aboriginals - Ureinwohner Australiens

Aboriginals, auch Aborigines genannt, zählen zu den ältesten Volksstämmen der Welt. Vor über 40.000 Jahren wanderten die ersten Ureinwohner über Landbrücken von Südostasien nach Australien ein. Diese Festlandverbindung bestand bis zur letzten Eiszeit. So konnten die Menschen weitgehend zu Fuß den 5. und kleinsten Kontinent erreichen. Auf dem Festland begann die Besiedlung zuerst an der Küste und an den großen Flüssen.

Bis zum Eintreffen der weißen Siedler im 18. Jahrhundert hatten die Aboriginals ein völlig intaktes Gemeinschaftsleben geführt. Der weiße Mann jedoch zerstörte unaufhaltsam die Sozialstruktur der Ureinwohner, erklärte sie für vogelfrei und beschloss ihre Ausrottung. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging die Regierung dazu über, die Aborigines wieder in die Gesellschaft zu integrieren. 1967 bekamen sie zum ersten Mal Bürgerrechte verliehen, bevor sie 1970 als australische Staatsbürger anerkannt wurden. Viele von ihnen leben heutzutage in Reservaten. Mit der Besiedelung der Europäer kamen auch viele Missionare ins Land, die den Aborigines die „wahre Religion“ nahe bringen wollten. Sie ließen sich viele von ihnen taufen und nahmen den christlichen Glauben an, ohne ihren Naturglauben jedoch abzulegen.

Im Gegensatz zu Frauen und Mädchen, die nur eine Bedeutung als Arbeitskraft hatten, spielten Männer in der Gesellschaft eine dominierende Rolle. Während Frauen überwiegend zum Sammeln von Pflanzen, Samen und Knollen eingeteilt wurden, waren für die männlichen Ureinwohner verschiedene Stufen des Lebens organisiert. Als Knaben lebten sie bei ihrer Mutter und den Frauen in einer Gemeinschaft zusammen, ehe sie in der Pubertät in den Bund der Männer (Initiation) aufgenommen wurden. Von dieser Zeit an wurden sie in die kultischen Bräuche ihres Stammes eingewiesen. Dabei spielten Tanz, Gesang und Malerei eine besonders wichtige Rolle. Häufig wurde dabei die Regenbogenschlange gemalt, die noch heute als Schöpferwesen und Fruchtbarkeitssymbol gilt. Die Geschichte der australischen Ureinwohner ist umrankt von mythischen Geschichten und Sagen. Unterstützt werden diese Mythen von den ungewöhnlichen Klängen des Didgeridoos, einem Holzblasinstrument, welches vibrierende Töne erzeugt.

Erst mit der Erweiterung der Kenntnisse und Vermählung erreichte ein Aboriginal das Mannesalter. Erwies er sich als besonders klug, so konnte er in den Ältestenrat gewählt werden.
Aboriginals werden oft als Meister im Spurenlesen bezeichnet, da sie sich nach den Gewohnheiten der Tiere richteten. So erbeuteten sie mit Boomerang und Speer nur, was sie zur Ernährung der Gruppe benötigten, damit das Gleichgewicht der Natur nicht aus dem Lot geriet. Um sich gegen Hungersnöte abzusichern, genoss der Schutz von Tieren und Pflanzen oberste Priorität. Unter den Ureinwohnern Australiens existiert keine Einheitssprache, sondern eine Vielzahl von Dialekten. Von den ursprünglich 300 Dialekten gibt es heute noch ungefähr 30. Heutzutage wird besonders häufig die Aboriginal-Kreole gesprochen, eine Mischung aus der Aboriginalsprache und Englisch.

Die Religion der Aboriginals ist eine Naturreligion. Die Ureinwohner glauben an höhere Wesen, welche das Land in der „Dreamtime“ (Traumzeit) erschaffen haben. Die Natur wird als Heiligtum betrachtet. Seit Jahrtausenden gibt es die Uluru-Kata-Region als Brennpunkt religiöser, kultureller und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den verschiedenen Stämmen der Aborigines. Der Uluru-Nationalpark ist der meistbesuchte Nationalpark Australiens und liegt im trocken heißen Zentrum Australiens. Hier liegen die zwei bekanntesten Naturmonumente des Kontinents, die Olgas (Kata Tjuta) und Ayers Rock (Uluru). Der Ayers Rock gilt als zentrales Heiligtum. Viele Teile des großen Felsens haben eine mythologische Bedeutung. Aborigines machen heutzutage Führungen zum Heiligen Berg und den Höhlen mit den Felszeichnungen. Der Kata Tjuta Nationalpark ist seit 1987 in der UNESCO-Liste als „Weltkulturerbe“ der Menschheit aufgenommen.

Geschrieben von Ronny Schmidt am 28 Juli, 2008 


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