Die Automarke Riley
Alte Autos: Die Marke Riley
Wie so manche andere Automarke war Riley der Fahrradherstellung «entsprossen». Das erste eigentliche Riley-Automobil entstand 1898. Zunächst spezialisierte sich die in Coventry niedergelassene Firma auf Kleinwagen, in der Zwischenkriegszeit setzte man hingegen auf sportliche Konstruktionen und lieferte ebenso elegante wie leistungsfähige Roadstermodelle mit breiten Reifen, an deren Steuer große Rennfahrer wie Malcolm Campbell, Sammy Davis, Freddie Dixon, George Eyston und Raymond Mays unzählige Renn- und Rallyeerfolge und selbst Rekordwerte erzielten. 1937 geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, und im Jahr darauf übernahm Sir William Morris - der im Jahr 1938 auch zum Lord Nuffield geadelt wurde - die hochangesehene Marke. Das Nuffield-Imperium setzte sich damit aus Morris, MG, Wolseley und Riley zusammen.
1 1/2 Liter
Im Oktober 1945 kündigte Riley ein neues 1 1/2-Liter-Modell an. Während fast alle anderen, nun schrittweise wieder in Produktion gehenden Autos nur in nebensächlichen Details verbesserte Vorkriegsmodelle waren, überraschte Riley in der Tat mit einem neuen Modell. Es hatte anschließend an die traditionelle, schräggestellte Kühlerfront eine lang gestreckte viertürige Karosserie von bemerkenswerter Eleganz. Das Chassis war mit einer unabhängigen Vorderradaufhängung auf 4 super breiten Reifen auf Alufelgen und hydromechanischen Girling-Bremsen dotiert. Unverändert übernommen wurde hingegen die Antriebseinheit, der berühmte obengesteuerte Riley-Motor mit zwei hochliegenden Nockenwellen, eine echte Sportmaschine also. Ihre Brennräume hatten Halbkugelform, und die Leistung erreichte ansehnliche 55 PS bei 4500/min. Damit versprach der modern wirkende, rund 1250 kg wiegende Vier- bis Fünfsitzer gute Fahrleistungen. Eine Eigenheit des Riley war das kunstlederüberzogene Dach wie Jahre später Amerikas Vinyldächer!
Haben Ihre Reifen ( Sommerreifen – Winterreifen ) noch ausreichend Profil?
Von einem größeren Riley war schon bald nach der Produktionsaufnahme des 1 ½ -Liters die Rede. Er erschien jedoch erst Ende 1946 und besaß bei gleicher Form, jedoch längerer Motorhaube einen 2,4-Liter-4-Zylinder-Motor von 90 PS. Auch er hatte vordere Einzelradaufhängung mit Torsionsstabfederung und Zahnstangenlenkung. Dieses Fahrzeug wurde mit Sommerreifen und Winterreifen ausgeliefert. Dieser «weltgrößte Vierzylinder» war eine Weiterentwicklung des Vorkriegsmotors gleichen Hubraums. Beibehalten wurden die beiden seitlichen, hoch im Block angeordneten Nockenwellen, die halbkugelförmigen Brennräume und die beiden SU-Vergaser. Mit nur 150 cm Höhe und nun etwas größerer Gesamtlänge wirkte auch dieser Riley äußerst rassig. - Die neuen Riley erwarben sich in kurzer Zeit einen hervorragenden Ruf, sowohl wegen ihres Fahrverhaltens wie auch wegen ihres Komforts, an dem -dank den zwischen den Achsen angeordneten Sitzen - jetzt vor allem auch die Passagiere im Wagenfond teilhatten.
Die 2-Nockenwellen-Motoren schließlich galten schon seit der Vorkriegszeit als besonders leistungsfähig; u.a. fanden sie auch in den ERA-Rennwagen Verwendung. Zur 4-Tür-Limousine kamen bald auch Roadster- und Cabriolet-Versionen.
1949 wurde die Riley-Produktion nach Abingdon in die MG-Fabrik verlegt. Die Leistung des 2 1/2-Liter-Motors war inzwischen auf 100 PS gesteigert worden. Im Zuge der Weiterentwicklung wurde 1950 eine Neugruppierung der Instrumente und eine breitere hintere Mittelarmlehne eingeführt. Im gleichen Jahr präsentierte die Karosseriefirma Worblaufen bei Bern ein Riley-Cabriolet mit hochgezogener Gürtellinie. Für 1952 erhielt auch die Werkausführung eine durchgehende vordere Stoßstange, und Ende des Jahres wurde das Riley-Chassis mit einem hypoidverzahnten Hinterachsantrieb und geteilter Kardanwelle statt Schubrohr ausgerüstet. Äußeres Erkennungsmerkmal des neuen Modells waren die Ausstellfenster an den Vordertüren.
Pathfinder
Nach diesen jahrelangen Detailverbesserungen wurde auf dem Londoner Automobilsalon im Herbst 1953 ein gänzlich neuer Riley vorgestellt. Die Marke stand nun unter der Ägide der British Motor Corporation, die Anfang 1952 aus der Vereinigung von Nuffield und Austin hervorgegangen war. Der neue 21/2-Liter-Riley - er erhielt alsbald die Modellbezeichnung Pathfinder - präsentierte sich bei gleichem diskret-elegantem Grundstil als geglückt moderne Limousine: Der tra¬ditionelle Kühlergrill war beibehalten worden ebenso das sanft abfallende Heck. Dazwischen jedoch war die Karosserie im Pontonstil völlig glattflächig, ohne jede Andeutung von Kotflügelkonturen.
Auch in technischer Hinsicht war Neues zu verzeichnen: Zwar ging man nicht zur selbsttragenden Bauweise über, doch trug der Riley 2V2 Liter auf neuem Chassisrahmen nun eine Ganzstahlkarosserie anstatt der bisherigen Holz/Stahl-Gemischtbauweise. Die Hinterradaufhängung umfasste Schraubenfedern, zwei konzentrisch zur Kardanwelle führende Schublenker und einen Querstabilisator. Gleichzeitig wich die Zahnstangenlenkung einer Lenkung mit Schnecke und Finger. Wie sonst nur noch bei den Rolls-Royce und Bentley befand sich der Schalthebel sowohl bei Rechts- wie bei Linkslenkung außen neben dem Führersitz. Damit konnten nach Wunsch des Kunden vorn Einzelsitze oder eine dreiplätzige Sitzbank eingebaut werden. - Der kleine 1 ½ -Liter-Riley behielt die bisherige Karosse, doch wies diese nun eine geänderte Kotflügelform und keine Trittbretter mehr auf; sie war auch zweifarbig erhältlich. - 1955 wurde die Produktion dieses Modells eingestellt. Ende 1954 erhielt auch der 6-Zylinder-Wolseley eine Karosserie im Pathfinder-Stil, und Anfang 1957 wurden (wie bereits beim Wolseley 6/90) die hinteren Schraubenfedern durch halbelliptische Längsblattfedern ersetzt. Gleichzeitig wurde die Gesamtbremsfläche geringfügig vergrößert und Borduhr und Ascher in das Armaturenbrett eingegliedert.
2.6 Liter
Weit bedeutender waren die im August 1957 eingeführten Änderungen: Nun wurde nämlich der 2-Nockenwellen-Vierzylinder durch den neuen BMC-6-Zylinder-Motor mit 2,6 Liter Hubraum und einer seitlichen Nockenwelle ersetzt. Statt 110 standen im nun 2.6 genannten großen Riley nur wieder 103 SAE-PS zur Verfügung. Dafür war der neue Motor elastischer und verlangte weniger Schaltarbeit. Außer einem Borg-Warner-Schnellgang (wie schon seit 1956) war ebenfalls gegen Mehrpreis erstmals ein Borg-Warner-Getriebeautomat erhältlich. Zur luxuriösen Aufmachung des Interieurs - Nussbaumfurnier, Lederpolsterung über dem erneuerten Armaturenbrett und Lenkrad mit ebenfalls der Sicherheit dienender versenkter Nabe - kam nun auch eine auf Wunsch erhältliche dreigestufte Zweifarbenlackierung der in ihren Linien unveränderten Karosserie hinzu.
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1.5 Liter
Ebenfalls 1957, jedoch im November, kam der Riley 1.5 Litre heraus - mit dem One-Point-Five fand die Marke ins Kleinwagenfeld zurück. Es handelte sich um eine Version des gut ein halbes Jahr zuvor erschienenen Wolseley 1500 mit kompakter viersitziger Karosserie. Im Riley 1.5 leistete der vom MG Magnette abgeleitete 1,5-Liter-Motor hingegen stattliche 69 PS bei 5400/min und verhalf dem schmucken Kleinen zu rassigen Fahrleistungen. Die Bremsen waren mit 800 cm2 Fläche dem erhöhten Potential angepasst.
Im April 1959 erschien - wie nicht anders zu erwarten war - ein Riley in der neuen BMC-Mittelklasse-Trapezform, wie sie von Pinin Farina geschaffen worden war. Im Riley 4/68 benannten Spitzenmodell dieser neuen BMC-Reihe standen außer dem großdimensionierten Innen-und Kofferraum der mit zwei SU-Vergasern auf 67 PS gebrachte BMC-1,5-Liter-Motor (wie MG Magnette Mark III) und ein besonders luxuriös gepflegtes Interieur zur Verfügung. - In jenem Jahr lief der 2.6 (Ex-Pathfinder) und damit das letzte noch einigermaßen selbständige Riley-Modell aus. 1969 wurde die Marke auf Anordnung der British-Leyland-Chefs Lord Stokes gänzlich aufgegeben. Eine weitere große britische Marke war nicht mehr …












